Kulturverein Deberndorf  "Dillnberch Schlorcher" e.V.

Stricke drehen

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Früher wurde ein Seiler auch Reepschläger genannt. In Hamburg zeugt hiervon noch die Reeperbahn, hier wurden früher von den Seilern die Schiffstaue (Reeps) geschlagen. Heutzutage gibt es nur noch wenige Seiler die ihr Handwerk noch traditionell ausführen. Die Industrie hat hier Viele ersetzt. Wir zeigen hier, wie man einen Strick aus Sisal mit einfachen Hilfsmitteln herstellen kann. Oft wird heute das Sisal dem Hanf vorgezogen, da es wesentlich günstiger ist. Es wird aus einer Agavenart gewonnen, deren Blätter bis zu zwei Meter lang werden können. Der Hanf wäre zwar ein einheimisches Produkt und wird aus Flachs hergestellt, ist aber um das sechsfache teurer als Sisal. Wenn man hanfähnliche Seile benötigt, wird heutzutage gerne auf Kunststoff ausgewichen, da es witterungsbeständiger ist.

 

Verschiedene Materialien: Links oben Jute, mitte hinten Spinnfaser (Kunststoffprodukt aus Polypropylen), mitte vorne Sisal, rechts natürlicher Hanf.
Das Herzstück zum Stricke drehen bildet dieses Gerät. Es ist ein Planetengetriebe an dem eine Handkurbel am äußeren Zahnradring befestigt ist. An den vier inneren Zahnrädern sind Haken befestigt. Das Gerät ist an einem Holzbock montiert.
Es gibt noch viele verschiedene Ausführungen dieses Gerätes, auch aus Holz.

 

Das Gegenstück bildet dieser Holzbock, an dem ein bewegliches Gewicht mit einem drehbaren Haken verbunden ist. Am oberen Ende des Bockes ist eine Rolle montiert, an der sich das Gewicht vertikal bewegen lässt.             Hiervon gibt es wiederum viele verschiedene Ausführungen.
Man sieht hier, wie das Sisal über einen Zwischenhaken am Strickdrehgerät befestigt wird.
Nun führt man das Sisal über den beweglichen Haken.
Zurück zum Herzstück. Das kann man so oft wiederholen, bis entweder drei oder vier Haken belegt sind.
Hier sind vier Haken belegt. Die zu sehenden Schnüre nennt man Litzen.
Zuletzt wird das Ende am Anfang der ersten Litze (nicht am Zwischenhaken) verschlungen.
Mit dieser Lehre werden die vier Stränge auseinander gehalten.
Die Lehre muss am beweglichen Haken gehalten werden.
Jetzt kann am anderen Ende begonnen werden, das Planetengetriebe mit gleichmäßiger Bewegung zu drehen.
Die Litzen der vier Stränge werden durch das Drehen verdrillt.
Das Verdrillen muss über die Lehre bis zum Haken fortgeführt werden. Außerdem soll die Lehre auch verhindern, dass sich die vier Stränge zu Anfang verdrillen.
Durch das Verdrillen ziehen sich die einzelnen Stränge zusammen. Das Gewicht hebt sich und gibt ihnen Spannung.
Wenn die Spannung so hoch ist, dass sich der Haken beim Bewegen der Lehre von selbst dreht, führt man sie durch die Stränge zum anderen Ende.
Wenn die Stränge bis zu den Zwischenhaken verdrillt sind, wird der Strick an beiden Enden vom Haken genommen.
Die vier offenen Enden werden übereinander gelegt und von Hand nochmals verdrillt.
Nun haben wir eine Schlinge, die hier zu Anschauungszwecken größer gemacht wurde. Je enger diese Schlinge ist, um so besser wird der Strick.
Jetzt führen wir die Schlinge durch den aufgebrochenen Strick. Die neu entstandene Schlaufe führen wir durch die Schlinge und ziehen sie an.
Diese Schlaufe verhindert nun, dass sich die Verdrillung löst. Am anderen Ende benötigt man keine Schlaufe, da sich die Verdrillung hier nicht lösen kann.                                                                                                                             Man sieht hier deutlich, dass durch eine zu große Schlinge der Übergang von Strick zu Schlaufe zu weit offen ist.
 

Das Stricke drehen lässt sich mit wenig Aufwand bei Veranstaltungen vorführen. Es dauert nicht lange und man kann die Zuschauer, auch Kinder, gut mit einbeziehen. So entsteht ein Aha-Effekt und man hat einen guten Einblick in dieses traditionelle Handwerk.

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