Kulturverein Deberndorf  "Dillnberch Schlorcher" e.V.

Kerzen ziehen

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Früher war das Kerzen ziehen kein eigenständiges Handwerk und war meistens mit dem Seifen sieden verbunden. Heute ist es ein eigener Berufsstand und heißt Kerzenzieher und Wachsbildner. Wir stellen hier das Kerzen ziehen von Hand dar. Der Rohstoff für eine Kerze ist Wachs. Natürliche Wachse können tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sein. Beispiel für tierisch: Bienenwachs. Unter den Kerzenziehern das Gold der Wachse. Beispiel für pflanzlich: Carnaubawachs. Die wichtigsten  raffinerierten Wachse sind Stearin und Parafin. Genauso wichtig wie das Wachs ist der Docht. Er muss so beschaffen sein, dass das gasförmige Wachs in ihm zur Flamme aufsteigen kann. Deshalb ist er geflochten. Bei manchen Dochten muss man auch auf die Flechtrichtung achten. Wenn man ihn am falschen Ende anzündet, hat die Flechtung keine Saugwirkung und der Docht brennt ab bis zum flüssigen Wachs, wo die Flamme erstickt. Für die verschiedenen Wachsarten gibt es auch verschieden präparierte Dochte. Deshalb ist darauf zu achten, den richtigen Docht für das richtige Wachs zu verwenden. Außerdem sollte man wissen, dass der Dochtdurchmesser den Kerzendurchmesser bestimmt. Wenn man Bienenwachs als Rohstoff verwendet, kann bei ungereinigtem Rohwachs der Docht verstopfen.

Wir zeigen hier Kerzen ziehen (Kerzen tauchen) mit Parafin.

Neben einem Bottich mit Feuerstelle zum Verflüssigen des Wachses werden die zu sehenden Werkzeuge benötigt. Außerdem sieht man Dochtspulen, zwei Bienenwachs- und eine Parafinkerze.

Hier sieht man eine Spule mit einem geflochtenem Flachdocht.
Dieser Runddocht ist auch gut für Bienenwachskerzen geeignet.

Zuerst tauchen wir den Docht in flüssigem Wachs vor. Wer mit Kindern arbeitet, sollte darauf achten, dass diese nicht mit der Hand ins heiße Wachs geraten.
Nach dem ersten Tauchen spannen wir den Docht, um ihn zu begradigen.
Nach einer entsprechenden Abkühlzeit (abhängig von der Lufttemperatur), kann man das Eintauchen fortsetzen.
Wenn eine gewisse Stärke erreicht ist, muss eine bestimmte Tauchdauer eingehalten werden. Sonst verbindet sich die neue Wachsschicht nicht mit der schon vorhandenen und kann zu Blasen führen.
Beim Weiterziehen sollte man den Durchmesser der Kerze auf der Dochtlänge beachten. Verjüngt sich die Kerze, ist sie zu warm und schmilzt im Wachsbad wieder ab. Größere Abkühlzeiten sind notwendig.
Je nach Bottichgröße kann man sich ein Tauchbrett fertigen, an dem man mehrere Dochte auffädeln könnte.
Dabei muss der Wachsspiegel im Bottich immer auf einer Höhe gehalten werden. Sonst bildet sich der Kerzenanfang stufenförmig aus.
Ab einer gewissen Stärke kann man die weichen Kerzen noch begradigen. Wenn man zu schnell taucht, ist das Wachs zu teigig und kann bei einem entsprechenden Gewicht vom Docht rutschen.
Wenn die gewünschte Stärke der Kerze erreicht ist (abhängig vom Dochtdurchmesser), schneiden wir sie am Dochtende ab. Wenn die Kerzen abgekühlt sind kann man sie verwenden.

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