Kulturverein Deberndorf  "Dillnberch Schlorcher" e.V.

Besen binden

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Ein Besenbinder war nie ein eigenständiger Beruf. Meistens band auch ein Korbflechter Besen. Dieses "Handwerk" konnte sich jeder aneignen, da es hierfür keine eigenen Zünfte gab. Es war auch nie ein Lehrberuf. Ein Reisigbesen besteht bei uns aus zwei Teilen, dem Stiel und dem eigentlichen Besen. Der Stiel wird aus Stangenholz gefertigt, er kann aus Fichten-, Hasel- oder auch Weidenstangen sein. Das Reisig kommt in unserer Gegend von der Birke.
Für unsere Art des Besenbindens benötigen wir nur das hier zu sehende Werkzeug.
Messer, Schere, Schnitzmesser oder Zieheisen, als Stichling einen Nagel, und eine selbst gebaute Spannhilfe.
Das zugerichtete, einjährige und noch frische Reisig. Man sieht, dass das einjährige Reisig noch keine weiße Rinde besitzt - wie sonst bei den Birken üblich.
Vom noch frischen Reisig nehmen wir eine handvoll und verdrillen die Zweige, wie auf den Bildern zu sehen bis in die Spitzen.
Die verdrillten Reisigbüschel kann man trocken und lichtgeschützt bis zur weiteren Verarbeitung lagern.
Als Bindematerial verwenden wir halbierte Weiden. Heutzutage wird auch oft Draht zum Binden genommen. Man kann zum Spalten der Weidenruten ein Messer benutzen. Von den gespaltenen Ruten wird das Mark ausgeschabt und dabei noch verjüngt.
Hier  sieht man, wie die Spannhilfe eingesetzt wird.
Es gibt noch viele andere Spannmethoden.
Die frisch eingeweichten Reisigbüschel  werden am dicken Ende mit der Spannhilfe umwickelt.
In dem man das Bündel von sich wegrollt, wickelt sich die Spannhilfe auf das Bündel. Mann muss darauf achten, dass man den Gurt gut auf Spannung hält um das Bündel zusammen zu ziehen.
Wenn der Gurt ca. dreimal um das Bündel gewickelt ist, wird mit großer Kraftaufwendung (Bild) die Spannung auf das Maximum erhöht.
Je fester das Reisigbündel zusammengespannt ist, um so besser hält der Besen.
Jetzt wird mit dem Stichling eine Lücke in das Bündel gestochen.
In die Lücke wird die Weidenhälfte eingefügt. Die gespaltene Seite soll vom Körper wegzeigen.
Nun wickeln wir die Weide um das verspannte Bündel, in dem wir es zu uns herrollen. Je mehr sich die Weide um das Bündel rollt, wickelt sich die Spannhilfe vom Bündel ab.
Wenn sich die Spannhilfe aufgewickelt hat, wird das Ende der Weide um die Weidenwicklung so oft geschlungen, bis sie sich nicht mehr lösen kann.
Je nach Besengröße muss die Verspannung mehrmals ausgeführt werden, jedoch mindestens zweimal.
Nach dem Verspannen wird das dicke Ende zugeschnitten.
Nach dem Zuschneiden soll man sich an den Enden nicht mehr verletzen können.
Am dünnen offenen Ende des Besens wird wieder je nach Größe mit einer Schnur das Reisigbündel zusammengehalten.
Jetzt wird am offenen Ende das Reisig zugeschnitten, damit man einen gleichmäßigen Abschluss hat.
Hier sieht man die einzelnen Verspannungen des Besens, wobei die Weidenwicklungen dazu dienen, den Stiel zu halten.
Die Schnurwicklung hält das Reisig zusammen. Wenn der Besen beim Kehren abgearbeitet wird, werden die Schnurwicklungen nacheinander gelöst.
Der Stiel wird abgeschält.
An einer Seite wird der Stiel angespitzt und an der anderen abgerundet.
Beim Eintreiben sollte darauf geachtet werden, dass der Stiel mittig eingefügt wird. Er sollte mindestens bis zur zweiten Weidenwicklung eingetrieben sein.
So sieht nun der fertige Besen aus unserer Gegend aus.
Wer schon einmal mit so einem Besen gekehrt hat, weiß seine Vorteile gegenüber einem handelsüblichen zu schätzen. Wenn der Besen aufgearbeitet ist dient er noch als Feuerholz. Den Stiel kann man für einen neuen  benutzen.

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